Dirk Platzek ist ein erfahrener User Experience Designer und ist in Deuschland und den USA tätig. Er ist Dozent an der Fachhochschule Salzburg. Seit 2000 ist er Inhaber der Firma Wunschfeld Interaction Design.
… und steckt andererseits in den Kinderschuhen
Getrennt aber zusammen – eine Bestandsaufnahme
Meine Studenten und ich sehen uns circa 1x im Monat. Um in der Zwischenzeit effektiv zu kommunizieren, ändern sich mit jedem neuen Semester die Tools: Vor zwei Jahren waren es Blogs und E-Mail, dann das kurzlebige Google-Wave. Zur Zeit werden Skype und Dropbox eingesetzt. Dropbox hat in der Zusammenarbeit dabei eine zentrale Rolle eingenommen, sodass ich inzwischen auch mit meinen Kunden Dateien über den Service austausche. Darüber hinaus kamen in den letzten zwei Jahren WebEx für Web-Meetings (Desktop Sharing und Audio) und Basecamp von 37signals.com zum Einsatz.
In der Arbeit mit Programmierern, die sich an unterschiedlichen Orten befinden (nein, nicht China, Indien, Russland… ) hat sich Googles Spreadsheet Applikation zur Erstellung von Buglisten bestens bewährt. Die Möglichkeit zeitgleich mit mehreren Personen daran zu arbeiten, ersetzt das analoge Miteinander, da ich in Echtzeit sehen kann, was eine ferne Person im Dokument ändert.
Für die jetzige Generation – die seit frühester Kindheit mit Computern und den Kommunikationskanälen des Internets aufgewachsen ist –, ist die kreative Zusammenarbeit bereits eine Selbstverständlichkeit. Auf Facebook-Pinnwänden finden sich minütlich neue Einträge aus den verschiedensten Ecken des Globus ein (räumliche Trennung wird weniger empfunden). Typische Social-Media-Tätigkeiten, – Posts, Bewertungen, Austausch digitaler Dateien, Live-Chat, Events planen, Spiele etc. – sind prinzipiell auch zur kollaborativen und kreativen Zusammenarbeit geeignet. In den Schulen wird vielerorts mit Smartboards (interaktiven Whiteboards) gearbeitet. Die Software-/Hartware Kombination erlaubt sowohl vorort als auch standortunabhängig zusammenzuarbeiten. Alles alte Hüte?
Herausforderungen des digitalen Miteinanders
Nein! Wir alle sind Gewohnheitstiere und wollen oft nicht Neues lernen. Es bedarf viel Überzeugungsarbeit, um die Bereitschaft zu erzeugen, sich ständig neuen Tools zu stellen. Verhaltensänderung bzw. -anpassung ist vielleicht die größte Herausforderung:
Software muss Anreize bieten: Die Nutzung muss nicht nur Arbeitschritte vereinfachen sondern am besten noch gleichzeitig Spass machen. Die Handhabung muss scheinbar einfach zu lernen sein (aller Anfang ist leicht), – komplexe Funktionen können dann nach und nach entdeckt werden. Zu guter Letzt müssen sich Tools über den Reiz des Neuen hinaus bewähren und langfristig interessant bleiben. Wie bringt sich ein Tool immer wieder in den Alltag ein?
Ausserdem: Manchmal gibt es im kreativen Prozess nichts besseres als Papier und Stift. Die Skizze erlaubt es mir zu krizzeln, Gedanken so schnell zu verwerfen, wir ich sie gekommen sind. Software macht Skizzen „offizieller“, wir habe größere Probleme digitale Dateien zu löschen als ein PostIt wegzuschmeißen. Möglicherweise werden altbewährte Werkzeuge koexistieren und brauchen keinen digitalen Ersatz, – sonst wären sie schon längst verschwunden. Deshalb darf Software beim kreativen Prozess nicht im Weg stehen, muss sich so intuitiv wie Papier und Bleistift anfühlen, aber möglicherweise andere Bedürfnisse abdecken.
Anmerkung: Grundsätzlich ist die Digitalisierung von Skizzen und Notizen ein Problem, dass einer Lösung bedarf. Ich habe Kunden, die sich Werbentwürfe als PDF wünschen (statt am Bildschirm zu betrachten), diese ausdrucken, darauf per Hand Notizen hinterlassen, um sie danach eingescannt als E-Mail Anhänge zurückzuschicken… (!)
Die Tür zur wirkungsvollen kreativen Zusammenarbeit mit Hilfe von digitalen Tools hat sich gerade eben einen Spalt geöffnet…


